Nein zum Kohlekraftwerk Voitsberg

Jahrzehntelang wurde im Kraftwerk Voitsberg die Braunkohle aus dem benachbarten Bergbau Köflach verheizt. Bedingt durch die Kessellage war im Winter die Luft sehr schlecht und die Krankheitsrate unter den Menschen der Region dementsprechend hoch. Die Bevölkerung atmete – im wahrsten Sinn des Wortes – auf, als im Jahr 2006 sowohl das Bergwerk, als auch das Kraftwerk geschlossen wurde.

Ursprünglich wollte der Verbund-Konzern das Werk abreißen, verkaufte es dann aber an die Firma A-TEC von Mirko Kovats. Dessen Pläne sind eindeutig. Er will die Industrieruine umbauen und mit Steinkohle befreuern. Ein dementspechender Antrag liegt bei der Bezirkshauptmannschaft Voitsberg.

Sowohl A-TEC, als auch die zuständige Behörde wenden den gleichen Trick, wie die Mochovce-Betreiber an. Sie argumentieren, dass die alte Betriebsbewilligung noch gültig ist und die nun geplanten Umbauarbeiten unerheblich sind. Auch in der Slowakei wollte man die Reaktoren Mochovce 3 und 4 aufgrund einer Baubewilligung aus den 1980er-Jahre fertigstellen, führt aber nun doch eine Umweltverträglichkeitsprüfung durch. Das will man sich in der Steiermark aber ersparen.

Am 1. Juli 2009 endete die öffentliche Verhandlung zum Thema Steinkohlekraftwerk mit einem Knalleffekt: Die Amtsgutachter für Luftqualität und Lärm kamen nämlich zu dem Schluß, dass das ursprünglich vorliegenden Umbaupläne nicht genehmigungsfähig sind. Anstatt den Antrag für die Umbauarbeiten zurückzuweisen, wurde den Betreibern dieses “Problem” mitgeteilt, worauf diese das Projekt kurzfristig abänderten.

Die Konsequenz davon: Bei der besagten öffentlichen Verhandlung wurde dann die zahlreichen TeilnehmerInnen eröffnet, dass mehrere Gutachten für das abgeänderte Projekt noch nicht fertig sind! Die Verhandlung wurde auf den Herbst 2009 vertagt.

Es gibt zahlreiche Gründe, die gegen das Steinkohlekraftwerk Voitsberg sprechen

  • Kohle ist jener Energieträger, bei dem für die gewonnene Energie am meisten CO2 freigesetzt wird. Im Fall von Voitsberg wären dies zwei Millionen Tonnen pro Jahr. Kohlekraftwerke haben im 21. Jahrhundert nichts zu suchen!
  • Während das alte Braunkohlekraftwerk hauptsächlich im Winter lief und die Abwärme zum Heizen verwendet wurde, ist dies beim geplanten Projekt nicht der Fall. Das Steinkohlekraftwerk soll das ganze Jahr über in Betrieb sein, die anfallende Abwärme verpufft ungenutzt. Dadurch hat das Kraftwerk einen sehr niedrigen Wirkungsgrad und ist ineffizient.
  • Beim Braunkohlebetrieb kam der Brennstoff über Förderbänder direkt vom Bergbau. Die Steinkohle müßte über Hunderte Kilometer per Bahn angeliefert werden.
  • Hinzu kommt, dass die Feinstaubbelastung in der Region Voitsberg und Köflach auch ohne Kraftwerk illegal hoch ist. Die Region ist daher als Feinstaubsanierungsgebiet ausgewiesen. Die Bevölkerung würde also durch die Kohleverfeuerung einer zusätzlichen und skandalösen Gesundheitsgefährdung ausgesetzt werden.
  • Die Region setzt verstärkt auf den Fremdenverkehr (z.B. Lipizzanergestüt Piber). Man befürchtet, dass durch die Inbetriebnahme des Kraftwerkes 500 bis 1000 Arbeitplätze in der Tourismusbranche verloren gehen.

Dankenswerterweise zur Verfügung gestellt durch GLOBAL 2000

Diskussion

, 13.08.2010 01:28

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, 16.12.2009 13:03
Korrektur : UVP - sollte natürlich "Umweltverträglichkeitsprüfung" heissen. Aber auch Unverträglichkeitsprüfung wurde in diesm Falle den Nagel auf den Kopf treffen.
, 16.12.2009 13:00
Man kann es kaum glauben ! Anscheinend stand von Anfang an fest, es darf keine UVP (Unverträglichkeitsprüfung) für die Wiederinbetriebnahme des auf Steinkohleverfeuerung umgerüsteten Kraftwerkes geben. Ansonsten könnten nicht die definitiven Aussagen von verschiedenen Kreisen schon längst vor der Veröffentlichung des Feststellungsbescheides das negative Bescheidergebnis hinausposaunen. Sehr ernst zunehmende Gerüchte verweisen auf einen wichtigen Punkt des Verkaufdeals vom Verbund an den Investor : Es wird unter keinen Umständen eine UVP für die Wiederinbetriebnahme von ÖDK III mit Steinkohleverfeuerung geben. Sehr einfach nach der Devise - Es darf nicht sein, was nicht sein soll ! Die Menschen mit den enormen zukünftigen gesundheitlichen Belastungen sind zweitrangig - wenn es die Profitgier weniger so will. Die Landespolitik schweigt dazu und lässt es in diese Richtung laufen.
, 10.09.2009 07:25
Hallo Gundi, die Leistung des neuen Kraftwerks ist vermutlich 330 MW. Wir kämpfen aber weiterhin gegen diesen Schwachsinn und es gibt in Voitsberg inzwischen eine sehr gut organisierte Bürgerbewegung. Ich bin guter Hoffnung, dass nach Enns auch in Voitsberg ein NOGO für die Verfeuerung von Kohle kommen wird.... LieGrü ET
, 17.10.2009 09:10
Hallo Gundi, hier die Fakten: Das alte mit Braunkohle befeuerte Kraftwerk hatte wie das geplante neue Kraftwerk 330 MW elektrische Leistung, allerdings hat das neue Kraftwerk laut Einreichunterlagen und Gutachten des amtlichen Sachverständigen Dr. Lothaller über 900 MW thermische Leistung (altes Werk hatte 792MW). Daraus ergibt sich definitiv eine UVP-Pflicht wegen Überschreitung der thermischen Leistung um mehr als den Schwellenwert (50MW im IG-L-Gebiet, 100 MW in sonstigen Gebieten). Der im Gegensatz zum alten Kraftwerk geplante ganzjährige Betrieb führt zu Erhöhungen der Emmissionen von Feinstaub um 420 t/Jahr, NOx um 1.192 t/Jahr, SO2 um 808 t/Jahr und CO2 um 1.373.720 t/Jahr. Damit ist auch der zweite relevante Tatbestand zur zwingenden Durchführung einer UVP erfüllt, nämlich die erhebliche Belastung der Umwelt und Gesundheit. Dies widerspricht den Aussagen vieler Politiker, dass rechtlich nichts gegen das Kraftwerk spricht. Derzeit läuft gerade das Feststellungsverfahren (eingebracht vom Voitsberger Bürgermeister, einem definitiven Projektbefürworter; gerüchteweise hat den Feststellungsantrag die Anwaltskanzlei von Hrn. Kovats geschrieben - was man auch immer davon halten soll. Diesen Punkt können wir leider nicht verifizieren, da der Antrag von der Gemeinde unter Verschluß gehalten wird und nicht einmal die Voitsberger Gemeinderäte Einsicht bekommen). Ein interessantes Detail ist auch der energierechtliche Bescheid des alten Kraftwerks, in dem steht, dass die jährliche Laufzeit 4000 Stunden betragen soll, damit die zu erwartenden negativen Auswirkungen auf das Kraftwerk durch sommerliche Erholungsphasen gemildert werden. Das neue Kraftwerk soll ganzjährig in Betrieb sein, also die festgelegte Laufzeit verdoppelt werden uind die Erholungsphasen wegfallen. Und das in einem Bezirk, der laut Statistik Austria zu den Gebieten Österreichs mit der höchsten Sterblichkeit an Krebs und Herz-Kreislauferkrankungen (-> Feinstaub) zählt. Die Politik ist aufgerufen, unseren Bezirk umwelt- und gesundheitsmäßig zu sanieren und nicht weitere Belastungen zuzulassen.
, 05.11.2009 08:32
Die Brennstoffwärmeleistung (BWL) errechnet sich aus der verfeuerten Kohle und dem Heizwert der Kohle.Für das Dampfkraftwerk ÖDK III wurde die thermische Leistung (BWL) bis zur Betriebsstellung im Mai 2006 immer mit 792 MW angegeben. In den Einreichunterlagen der Fa. A-TEC zur Genehmigungsverhandlung am 1.Juli 09 erhöht sich dieser Wert auf 820 MW - also während der Betriebsstillstandszeit. Mit dieser wundersamen Leistungserhöhung will man anscheinend die Durchführung einer UVP umgehen. Eine weitere plumpe Ungereimtheit in den Einreichunterlagn der Fa. A-TEC ist weiters die Angabe der "zukünftigen" Brennstoffwärmeleistung. Aus den detailliert angeführten verfeuerten Kohlemengen und deren Heizwerte errechnen sich komplett andere Werte. All diese Manipulationen sollten offensichtlich eine UVP-Pflicht vermeiden helfen. Die Brennstoffwärmeleistung eines Kraftwerkes kann sinngemäß der Leistungsangabe im Autotypenschein gleich gesetzt werden. Im Privatleben würden solche Manipulationen gerichtliche Konsequenzen zur Folge haben. Bei einem so viele Menschen betreffenden Umrüstprojekt wird dies anscheinend ohneweiteres geduldet.
, 13.12.2009 10:55
Das kommt auf uns zu ! In den Einreichunterlagen sind für das auf Steinkohle umgerüstete Kraftwerk ÖDK III - 7.282 Jahresbetriebstunden = 304 Tage angeführt. Der Landes Amtssachverständige im Gutachten zur 1. Genehmigungsverhandlung zum 1. Juli erhöht die Betriebsdauer auf "ganzjährig" und die Schadstoffemissionen basieren auf sage und schreibe 8.760 Betriebsstunden = 365 Tage im Jahr. In den 23 Jahren Betriebszeit des Braunkohlekraftwerkes betrug die durchschnittliche Jahresbetriebszeit nur 3.740 Stunden (156 Tage) Im energierechtlichen Basisibesdcheid aus dem Jahre 1977 für die Errichtung des Kraftwerkes sind etwa 4.000 Jahresstunden fixiert und sommerliche Erholungsperioden für Mensch und Natur angeführt. Zukünftig wird es diese Erholungsperioden daher nicht mehr geben. Wer kann dies verantworten. Wie zum Hohn, wird die Rasenmäherzeit von der Gemeindeordnung genau reglementiert, mit Recht. Aber der gesundheitlichen ganzjährigen Belastung durch das Kraftwerk wird kein Riegel vorgeschoben. Müssen wir uns dies von den lokalen Politikern bis hinauf in die Landespolitik gefallen lassen, wenn sie sowenig auf die Bevölkerung Rücksicht nimmt.
, 25.08.2009 16:04
Wie viele MW hat dieses Kraftwerk? Wieviel Feinstaub und Giftstoffe setzt es - trotz vorgeschriebener Filteranlagen - frei? Gibt's dazu Zahlen?
, 13.12.2009 11:07
Man kann es kaum glauben, die wesentlich höheren Jahresemissionen (13 fach bei Feinstaub, 1,8 fach bei Schwefeldioxyd und 2,92 fach bei Stickoxyde) haben keinen Einfluss auf das anhängige Feststellungsverfahren ob eine UVP-Pflicht erforderlich ist. Einzig und allein ist die Brennstoffwärmeleistung ausschlaggebend. Und diese wird interpretiet wie man es gerade braucht, um eine UVP zu vermeiden. Siehe weiteren Kommentar ! Trotz tausenfacher Beteuerungen für die Umwelt einzutreten, wird aber auf der anderen Seite vollkommen konträr entschieden.
, 14.08.2009 16:39
Es gehört auf jeden Fall verhindert, daß global Steinkohle verfeuert wird - hier sollte Österreich Voreiter sein - wie kann das Projekt in Voitsberg verhindert werden (ein VOitsberger)
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fakten/voitsberg.txt · Zuletzt geändert: 12.07.2009 00:06 von Eitzenberger Thomas     Nach oben